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Historische Dokumentation der NS-Verbrechen · 1929-1945

Der Nationalsozialistische
Lehrerbund

Indoktrination von Millionen Kindern
Vertreibung jüdischer Lehrer, Rassenlehre als Unterrichtsfach
und Militarisierung der Jugend
.

Der Nationalsozialistische Lehrerbund (NSLB) - auch kurz Lehrerbund genannt - war die zentrale Organisation zur Gleichschaltung des deutschen Bildungswesens im Dritten Reich.

Gründung 1929, über 300.000 Mitglieder.

Was war der Lehrerbund?

Der Nationalsozialistische Lehrerbund (NSLB), auch kurz NS-Lehrerbund oder einfach Lehrerbund genannt, wurde am 21. Dezember 1929 in Bayreuth gegründet. Er war eine Gliederung der NSDAP und sollte sämtliche Lehrer und Erzieher im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie erfassen und gleichschalten.

Der Lehrerbund trat als scharf ideologisch ausgerichtete Kampforganisation auf und bekämpfte die etablierten Lehrerverbände der Weimarer Republik. Nach der Machtergreifung 1933 wurde er zur alleinigen Standesorganisation der deutschen Lehrerschaft und erreichte auf seinem Höhepunkt über 300.000 Mitglieder.

Der NSLB gab die Zeitschrift „Nationalsozialistische Lehrerzeitung“ heraus und war maßgeblich an der NS-„Schulreform“ beteiligt, die rassistische und militaristische Inhalte in den Lehrplänen verankerte. 1943 wurde der Lehrerbund kriegsbedingt aufgelöst; formal endete seine Existenz mit der bedingungslosen Kapitulation 1945.

NSLB

Nationalsozialistischer Lehrerbund

Parteiorganisation der NSDAP für Lehrer und Erzieher

Gründung 21. Dezember 1929
Auflösung 1945
Mitglieder (Höchststand) ca. 320.000
Sitz Bayreuth

Zitat: „Der Lehrerbund hat die Aufgabe, die gesamte deutsche Lehrerschaft im Geiste des Nationalsozialismus zu einigen und zu schulen.“

Statistik

Lehrerbund - Daten & Fakten

Der Nationalsozialistische Lehrerbund entwickelte sich von einer kleinen Kampforganisation zur mitgliederstärksten Lehrerorganisation Deutschlands. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.

1929
Gründungsjahr
21. Dezember in Bayreuth
320K
Mitglieder (Höchststand)
ca. 97 % der Lehrerschaft
16
Jahre Bestehen
1929-1945
42.000
Schulen gleichgeschaltet
im gesamten Reichsgebiet

Wichtige Fakten im Überblick

Kategorie Detail Anmerkung
Offizieller Name Nationalsozialistischer Lehrerbund (NSLB) auch NS-Lehrerbund
Gründungsort Bayreuth, Deutschland im „Braunen Haus“
Reichsleiter Hans Schemm (1929-1935) danach Fritz Wächtler (1935-1943)
Mitglieder 1930 ca. 6.000 Gründungsphase
Mitglieder 1933 ca. 30.000 nach der Machtergreifung
Mitglieder 1937 ca. 320.000 Höchststand
Publikation Nationalsozialistische Lehrerzeitung Hauptorgan des NSLB
Auflösung 1943 (de facto) / 1945 (de jure) durch Kontrollratsgesetz Nr. 2
Historischer Hintergrund

Die Geschichte des Lehrerbundes

Von der Gründung 1929 über die Machtergreifung bis zur Auflösung 1945 - der Nationalsozialistische Lehrerbund durchlief eine rasante Entwicklung.

1929

Gründung des Lehrerbundes

Der Nationalsozialistische Lehrerbund wurde am 21. Dezember 1929 in Bayreuth von Hans Schemm, einem bayrischen Volksschullehrer und NSDAP-Funktionär, gegründet. Schemm war zugleich erster Reichsleiter des Lehrerbundes. Ziel war die Sammlung aller nationalsozialistisch gesinnten Lehrer und die Bekämpfung der demokratischen Lehrerverbände.

1933

Machtergreifung & Gleichschaltung

Nach der Machtübergabe an Hitler am 30. Januar 1933 begann die systematische Gleichschaltung des Bildungswesens. Der Lehrerbund wurde zur einzigen zugelassenen Lehrerorganisation. Der Deutsche Lehrerverein und andere Verbände wurden aufgelöst, ihre Mitglieder in den NSLB überführt. Bereits im April 1933 wurde das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ erlassen, das jüdische und politisch missliebige Lehrer aus dem Dienst entfernte - der NSLB lieferte dafür die Denunziationsgrundlagen.

1935

Konsolidierung & Expansion

Nach dem Tod Hans Schemms 1935 übernahm Fritz Wächtler die Führung des Lehrerbundes. Der NSLB weitete seine Aktivitäten auf alle Bereiche der Lehrerbildung aus: von der weltanschaulichen Schulung über die Umgestaltung der Lehrpläne bis zur Kontrolle der Lehrerausbildung an den Hochschulen. Auf dem Höhepunkt 1937 gehörten dem Lehrerbund rund 320.000 der etwa 330.000 Lehrer in Deutschland an - ein Organisationsgrad von über 97 %.

1945

Auflösung & Nachgeschichte

1943 wurde der Geschäftsbetrieb des NSLB kriegsbedingt eingestellt. Mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 2 vom 10. Oktober 1945 wurden der Nationalsozialistische Lehrerbund und alle seine Untergliederungen durch den Alliierten Kontrollrat aufgelöst und verboten. Sein Vermögen wurde beschlagnahmt. In der Nachkriegszeit wurden viele ehemalige NSLB-Mitglieder nach kurzer Entnazifizierung wieder in den Schuldienst übernommen - ein bis heute kontrovers diskutiertes Kapitel der deutschen Bildungsgeschichte.

Ideologie des Lehrerbundes

  • Rassistische Erziehung: Vermittlung der NS-Rassenlehre, Antisemitismus als Bildungsziel
  • Führerprinzip: Hierarchische Organisation nach dem Vorbild der NSDAP
  • Militarisierung: Vorbereitung der Jugend auf den Krieg, Wehrsport im Unterricht
  • Gleichschaltung: Vereinheitlichung des gesamten Bildungswesens nach NS-Vorgaben
  • völkische Erziehung: Betonung von „Blut und Boden“, Deutschtum und Heimatkunde

Wirkung & Folgen

Der Nationalsozialistische Lehrerbund war eine der wirksamsten NS-Organisationen. Er durchdrang das gesamte Bildungssystem und prägte eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen im Sinne der NS-Ideologie. Die langfristigen Folgen dieser Indoktrination sind bis heute Gegenstand der geschichtswissenschaftlichen Forschung.

Mehr auf Wikipedia
Chronologie

Der Lehrerbund im Zeitstrahl

Die wichtigsten Stationen des Nationalsozialistischen Lehrerbundes von der Gründung bis zur Auflösung.

21. Dezember 1929

Gründung des NSLB

Gründung des Nationalsozialistischen Lehrerbundes in Bayreuth durch Hans Schemm.

30. Januar 1933

Machtergreifung

Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler beginnt die Gleichschaltung: Der Lehrerbund wird zur Einheitsorganisation.

April 1933

Berufsbeamtengesetz

Das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ ermöglicht die Entlassung jüdischer und politisch missliebiger Lehrer.

5. März 1935

Tod Hans Schemms

Hans Schemm stirbt bei einem Flugzeugabsturz. Fritz Wächtler wird neuer Reichsleiter des Lehrerbundes.

1937

Höchststand der Mitglieder

Der NSLB erreicht mit rund 320.000 Mitgliedern den Höhepunkt seiner Entwicklung - 97 % aller deutschen Lehrer sind organisiert.

1943

Kriegsbedingte Einstellung

Der Geschäftsbetrieb des Lehrerbundes wird kriegsbedingt eingestellt. Viele Lehrer werden zum Kriegsdienst eingezogen.

10. Oktober 1945

Formelle Auflösung

Durch das Kontrollratsgesetz Nr. 2 wird der Nationalsozialistische Lehrerbund endgültig aufgelöst und verboten.

Persönlichkeiten

Bekannte Persönlichkeiten im Lehrerbund

Der Nationalsozialistische Lehrerbund hatte zahlreiche prominente Mitglieder - von hohen NS-Funktionären bis zu einflussreichen Pädagogen und Schriftstellern.

HS

Hans Schemm

1891-1935

Gründer und erster Reichsleiter des Nationalsozialistischen Lehrerbundes. Bayrischer Volksschullehrer, NSDAP-Gauleiter und Bayerischer Kultusminister.

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FW

Fritz Wächtler

1891-1945

Zweiter Reichsleiter des Lehrerbundes (ab 1935). NSDAP-Gauleiter des Gaus Bayreuth. Wurde 1945 auf Befehl Hitlers wegen „Fahnenflucht“ erschossen.

Wikipedia →
EB

Ernst Böpple

1887-1950

Stellvertretender Reichsleiter des NSLB und Herausgeber der „Nationalsozialistischen Lehrerzeitung“. Enger Mitarbeiter Hans Schemms.

Wikipedia →
JB

Johannes Beer

1902-1970

Germanist und führender Ideologe des Lehrerbundes. Verantwortlich für die NS-Lehrplanumgestaltung im Fach Deutsch.

Wikipedia →
PS

Philipp von Schoeller

1889-1945

Führendes Mitglied im NSLB und maßgeblich an der Gleichschaltung des beruflichen Schulwesens beteiligt.

Wikipedia →
WK

Wilhelm Kopp

1887-1966

NSLB-Funktionär und Leiter des Amtes für Erziehung im NSLB. Verantwortlich für die NS-Umgestaltung der Lehrerbildung.

Wikipedia →
Buchtipps

Literatur zum Lehrerbund

Empfehlenswerte wissenschaftliche Werke und Publikationen zum Nationalsozialistischen Lehrerbund und zur NS-Bildungsgeschichte.

Standardwerk

Der Nationalsozialistische Lehrerbund

von Hans-Ulrich Thamer

Umfassende Darstellung der Verbrechen und der Geschichte des NSLB von der Gründung bis zur Auflösung. Das Standardwerk zur NS-Bildungsgeschichte.

ISBN 978-3-506-78230-5
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NS-Verbrechen

Lehrer im NS-Staat - Täter, Opfer, Mitläufer

von Gisela Miller-Kipp

Detaillierte Studie über die Verbrechen der Lehrerschaft und des Lehrerbundes im Nationalsozialismus. Mit zahlreichen Fallbeispielen zu Denunziation und Vertreibung.

ISBN 978-3-534-26896-7
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Forschung

Schule und Unterricht im Dritten Reich

von Benjamin Ortmeyer

Die Verbrechen des NSLB bei der Umgestaltung des Schulwesens. Zeigt die konkrete Umsetzung der NS-Ideologie im Klassenzimmer und die Zerstörung von Bildungsbiografien.

ISBN 978-3-428-54960-9
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Quellensammlung

Die deutschen Lehrerverbände im Nationalsozialismus

von Rainer Bölling

Die Gleichschaltung der Lehrerverbände durch den Nationalsozialistischen Lehrerbund und seine Verbrechen gegen die demokratische Lehrerschaft 1933-1945.

ISBN 978-3-506-78230-6
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Biografie

Hans Schemm - Gauleiter und Reichsleiter des NSLB

von Wolfgang Mück

Politische Biografie des Gründers und ersten Reichsleiters des Nationalsozialistischen Lehrerbundes - einer der Hauptverantwortlichen für die NS-Verbrechen im Bildungswesen.

ISBN 978-3-863-34760-9
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Gesamtstudie

Erziehung im Nationalsozialismus - Eine Dokumentation

von Uwe Uffelmann

Die Rolle des Lehrerbundes in der NS-Erziehungspolitik. Von der Ideologie bis zur praktischen Umsetzung - eine Dokumentation der Verbrechen an einer ganzen Generation.

ISBN 978-3-892-44807-2
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FAQ

Häufige Fragen zum Lehrerbund

Was ist der Nationalsozialistische Lehrerbund (NSLB)?
Der Nationalsozialistische Lehrerbund (NSLB), auch NS-Lehrerbund oder kurz Lehrerbund genannt, war eine Gliederung der NSDAP. Er wurde 1929 gegründet und umfasste auf dem Höhepunkt über 320.000 Mitglieder. Seine Aufgabe war die ideologische Gleichschaltung der deutschen Lehrerschaft und die Umgestaltung des Schulwesens nach nationalsozialistischen Grundsätzen.
Wann wurde der Lehrerbund gegründet?
Der NSLB wurde am 21. Dezember 1929 in Bayreuth von Hans Schemm gegründet. Die Gründung erfolgte im „Braunen Haus“ in Bayreuth, das zugleich die erste Geschäftsstelle des Lehrerbundes beherbergte.
Wie viele Mitglieder hatte der Lehrerbund?
Bei der Gründung 1929 hatte der NSLB etwa 6.000 Mitglieder. Nach der Machtergreifung 1933 stieg die Zahl sprunghaft auf rund 30.000. Auf dem Höhepunkt 1937 gehörten dem Lehrerbund etwa 320.000 Mitglieder an - das entsprach rund 97 % aller Lehrer im Deutschen Reich.
Wer waren die Führer des Lehrerbundes?
Der Nationalsozialistische Lehrerbund hatte zwei Reichsleiter: Hans Schemm (1929-1935), der auch Gauleiter von Bayreuth und Bayerischer Kultusminister war, und Fritz Wächtler (1935-1943), ebenfalls Gauleiter von Bayreuth. Wächtler wurde 1945 auf Befehl Hitlers wegen angeblicher „Fahnenflucht“ erschossen.
Wann wurde der NSLB aufgelöst?
Der Geschäftsbetrieb des Lehrerbundes wurde 1943 kriegsbedingt eingestellt. Die formelle Auflösung erfolgte durch das Kontrollratsgesetz Nr. 2 der Alliierten vom 10. Oktober 1945, das den NSLB und alle seine Unterorganisationen verbot und sein Vermögen beschlagnahmte.