Was war der Lehrerbund?
Der Nationalsozialistische Lehrerbund (NSLB), auch kurz NS-Lehrerbund oder einfach Lehrerbund genannt, wurde am 21. Dezember 1929 in Bayreuth gegründet. Er war eine Gliederung der NSDAP und sollte sämtliche Lehrer und Erzieher im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie erfassen und gleichschalten.
Der Lehrerbund trat als scharf ideologisch ausgerichtete Kampforganisation auf und bekämpfte die etablierten Lehrerverbände der Weimarer Republik. Nach der Machtergreifung 1933 wurde er zur alleinigen Standesorganisation der deutschen Lehrerschaft und erreichte auf seinem Höhepunkt über 300.000 Mitglieder.
Der NSLB gab die Zeitschrift „Nationalsozialistische Lehrerzeitung“ heraus und war maßgeblich an der NS-„Schulreform“ beteiligt, die rassistische und militaristische Inhalte in den Lehrplänen verankerte. 1943 wurde der Lehrerbund kriegsbedingt aufgelöst; formal endete seine Existenz mit der bedingungslosen Kapitulation 1945.
Nationalsozialistischer Lehrerbund
Parteiorganisation der NSDAP für Lehrer und Erzieher
Zitat: „Der Lehrerbund hat die Aufgabe, die gesamte deutsche Lehrerschaft im Geiste des Nationalsozialismus zu einigen und zu schulen.“
Lehrerbund - Daten & Fakten
Der Nationalsozialistische Lehrerbund entwickelte sich von einer kleinen Kampforganisation zur mitgliederstärksten Lehrerorganisation Deutschlands. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.
Wichtige Fakten im Überblick
| Kategorie | Detail | Anmerkung |
|---|---|---|
| Offizieller Name | Nationalsozialistischer Lehrerbund (NSLB) | auch NS-Lehrerbund |
| Gründungsort | Bayreuth, Deutschland | im „Braunen Haus“ |
| Reichsleiter | Hans Schemm (1929-1935) | danach Fritz Wächtler (1935-1943) |
| Mitglieder 1930 | ca. 6.000 | Gründungsphase |
| Mitglieder 1933 | ca. 30.000 | nach der Machtergreifung |
| Mitglieder 1937 | ca. 320.000 | Höchststand |
| Publikation | Nationalsozialistische Lehrerzeitung | Hauptorgan des NSLB |
| Auflösung | 1943 (de facto) / 1945 (de jure) | durch Kontrollratsgesetz Nr. 2 |
Die Geschichte des Lehrerbundes
Von der Gründung 1929 über die Machtergreifung bis zur Auflösung 1945 - der Nationalsozialistische Lehrerbund durchlief eine rasante Entwicklung.
Gründung des Lehrerbundes
Der Nationalsozialistische Lehrerbund wurde am 21. Dezember 1929 in Bayreuth von Hans Schemm, einem bayrischen Volksschullehrer und NSDAP-Funktionär, gegründet. Schemm war zugleich erster Reichsleiter des Lehrerbundes. Ziel war die Sammlung aller nationalsozialistisch gesinnten Lehrer und die Bekämpfung der demokratischen Lehrerverbände.
Machtergreifung & Gleichschaltung
Nach der Machtübergabe an Hitler am 30. Januar 1933 begann die systematische Gleichschaltung des Bildungswesens. Der Lehrerbund wurde zur einzigen zugelassenen Lehrerorganisation. Der Deutsche Lehrerverein und andere Verbände wurden aufgelöst, ihre Mitglieder in den NSLB überführt. Bereits im April 1933 wurde das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ erlassen, das jüdische und politisch missliebige Lehrer aus dem Dienst entfernte - der NSLB lieferte dafür die Denunziationsgrundlagen.
Konsolidierung & Expansion
Nach dem Tod Hans Schemms 1935 übernahm Fritz Wächtler die Führung des Lehrerbundes. Der NSLB weitete seine Aktivitäten auf alle Bereiche der Lehrerbildung aus: von der weltanschaulichen Schulung über die Umgestaltung der Lehrpläne bis zur Kontrolle der Lehrerausbildung an den Hochschulen. Auf dem Höhepunkt 1937 gehörten dem Lehrerbund rund 320.000 der etwa 330.000 Lehrer in Deutschland an - ein Organisationsgrad von über 97 %.
Auflösung & Nachgeschichte
1943 wurde der Geschäftsbetrieb des NSLB kriegsbedingt eingestellt. Mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 2 vom 10. Oktober 1945 wurden der Nationalsozialistische Lehrerbund und alle seine Untergliederungen durch den Alliierten Kontrollrat aufgelöst und verboten. Sein Vermögen wurde beschlagnahmt. In der Nachkriegszeit wurden viele ehemalige NSLB-Mitglieder nach kurzer Entnazifizierung wieder in den Schuldienst übernommen - ein bis heute kontrovers diskutiertes Kapitel der deutschen Bildungsgeschichte.
Ideologie des Lehrerbundes
- Rassistische Erziehung: Vermittlung der NS-Rassenlehre, Antisemitismus als Bildungsziel
- Führerprinzip: Hierarchische Organisation nach dem Vorbild der NSDAP
- Militarisierung: Vorbereitung der Jugend auf den Krieg, Wehrsport im Unterricht
- Gleichschaltung: Vereinheitlichung des gesamten Bildungswesens nach NS-Vorgaben
- völkische Erziehung: Betonung von „Blut und Boden“, Deutschtum und Heimatkunde
Wirkung & Folgen
Der Nationalsozialistische Lehrerbund war eine der wirksamsten NS-Organisationen. Er durchdrang das gesamte Bildungssystem und prägte eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen im Sinne der NS-Ideologie. Die langfristigen Folgen dieser Indoktrination sind bis heute Gegenstand der geschichtswissenschaftlichen Forschung.
Mehr auf WikipediaDer Lehrerbund im Zeitstrahl
Die wichtigsten Stationen des Nationalsozialistischen Lehrerbundes von der Gründung bis zur Auflösung.
Gründung des NSLB
Gründung des Nationalsozialistischen Lehrerbundes in Bayreuth durch Hans Schemm.
Machtergreifung
Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler beginnt die Gleichschaltung: Der Lehrerbund wird zur Einheitsorganisation.
Berufsbeamtengesetz
Das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ ermöglicht die Entlassung jüdischer und politisch missliebiger Lehrer.
Tod Hans Schemms
Hans Schemm stirbt bei einem Flugzeugabsturz. Fritz Wächtler wird neuer Reichsleiter des Lehrerbundes.
Höchststand der Mitglieder
Der NSLB erreicht mit rund 320.000 Mitgliedern den Höhepunkt seiner Entwicklung - 97 % aller deutschen Lehrer sind organisiert.
Kriegsbedingte Einstellung
Der Geschäftsbetrieb des Lehrerbundes wird kriegsbedingt eingestellt. Viele Lehrer werden zum Kriegsdienst eingezogen.
Formelle Auflösung
Durch das Kontrollratsgesetz Nr. 2 wird der Nationalsozialistische Lehrerbund endgültig aufgelöst und verboten.
Bekannte Persönlichkeiten im Lehrerbund
Der Nationalsozialistische Lehrerbund hatte zahlreiche prominente Mitglieder - von hohen NS-Funktionären bis zu einflussreichen Pädagogen und Schriftstellern.
Hans Schemm
1891-1935Gründer und erster Reichsleiter des Nationalsozialistischen Lehrerbundes. Bayrischer Volksschullehrer, NSDAP-Gauleiter und Bayerischer Kultusminister.
Wikipedia →Fritz Wächtler
1891-1945Zweiter Reichsleiter des Lehrerbundes (ab 1935). NSDAP-Gauleiter des Gaus Bayreuth. Wurde 1945 auf Befehl Hitlers wegen „Fahnenflucht“ erschossen.
Wikipedia →Ernst Böpple
1887-1950Stellvertretender Reichsleiter des NSLB und Herausgeber der „Nationalsozialistischen Lehrerzeitung“. Enger Mitarbeiter Hans Schemms.
Wikipedia →Johannes Beer
1902-1970Germanist und führender Ideologe des Lehrerbundes. Verantwortlich für die NS-Lehrplanumgestaltung im Fach Deutsch.
Wikipedia →Philipp von Schoeller
1889-1945Führendes Mitglied im NSLB und maßgeblich an der Gleichschaltung des beruflichen Schulwesens beteiligt.
Wikipedia →Wilhelm Kopp
1887-1966NSLB-Funktionär und Leiter des Amtes für Erziehung im NSLB. Verantwortlich für die NS-Umgestaltung der Lehrerbildung.
Wikipedia →Literatur zum Lehrerbund
Empfehlenswerte wissenschaftliche Werke und Publikationen zum Nationalsozialistischen Lehrerbund und zur NS-Bildungsgeschichte.
Der Nationalsozialistische Lehrerbund
von Hans-Ulrich Thamer
Umfassende Darstellung der Verbrechen und der Geschichte des NSLB von der Gründung bis zur Auflösung. Das Standardwerk zur NS-Bildungsgeschichte.
Lehrer im NS-Staat - Täter, Opfer, Mitläufer
von Gisela Miller-Kipp
Detaillierte Studie über die Verbrechen der Lehrerschaft und des Lehrerbundes im Nationalsozialismus. Mit zahlreichen Fallbeispielen zu Denunziation und Vertreibung.
Schule und Unterricht im Dritten Reich
von Benjamin Ortmeyer
Die Verbrechen des NSLB bei der Umgestaltung des Schulwesens. Zeigt die konkrete Umsetzung der NS-Ideologie im Klassenzimmer und die Zerstörung von Bildungsbiografien.
Die deutschen Lehrerverbände im Nationalsozialismus
von Rainer Bölling
Die Gleichschaltung der Lehrerverbände durch den Nationalsozialistischen Lehrerbund und seine Verbrechen gegen die demokratische Lehrerschaft 1933-1945.
Hans Schemm - Gauleiter und Reichsleiter des NSLB
von Wolfgang Mück
Politische Biografie des Gründers und ersten Reichsleiters des Nationalsozialistischen Lehrerbundes - einer der Hauptverantwortlichen für die NS-Verbrechen im Bildungswesen.
Erziehung im Nationalsozialismus - Eine Dokumentation
von Uwe Uffelmann
Die Rolle des Lehrerbundes in der NS-Erziehungspolitik. Von der Ideologie bis zur praktischen Umsetzung - eine Dokumentation der Verbrechen an einer ganzen Generation.
Weiterführende Links zum Lehrerbund
Vertiefende Informationen und Quellen zum Nationalsozialistischen Lehrerbund.
Wikipedia: NSLB
Ausführlicher Wikipedia-Artikel zum Nationalsozialistischen Lehrerbund mit Quellenangaben und weiterführender Literatur.
Artikel lesen →Wikipedia: Hans Schemm
Biografie des Gründers und ersten Reichsleiters des Lehrerbundes, Hans Schemm (1891-1935).
Artikel lesen →Wikipedia: Fritz Wächtler
Biografie des zweiten Reichsleiters des NSLB, Fritz Wächtler (1891-1945).
Artikel lesen →Wikipedia: Bildung im NS
Überblicksartikel zu Bildung und Erziehung im Nationalsozialismus und der Rolle des Lehrerbundes.
Artikel lesen →Amazon: Alle Bücher zum NSLB
Alle verfügbaren Bücher und Publikationen zu den Verbrechen des Nationalsozialistischen Lehrerbundes bei Amazon.
Zum Shop →Wikipedia: Kontrollratsgesetz Nr. 2
Das Gesetz, mit dem der NSLB und andere NS-Organisationen 1945 aufgelöst und verboten wurden.
Artikel lesen →Spiegel: Nazi-Erzieher mit Eispickel
Historische Farbfotos von NSLB-Reichsaustauschlagern - die Verbrechen des Lehrerbundes in einzigartigen Aufnahmen.
Artikel lesen →DIE ZEIT: NSLB-Kollaborateur
Historiker Benjamin Ortmeyer über den Lehrerbund, die NS-Vergangenheit der GEW und die Verbrechen der NS-Pädagogen nach 1945.
Artikel lesen →Deutschlandfunk: Lehrkräfte im NS
Studie des Historikers Benjamin Ortmeyer über den Nationalsozialistischen Lehrerbund - seine Verbrechen und die systematische Indoktrination.
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